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ein Stueck Kindheit - niedergewaelzt

Ich stand heute morgen auf, geweckt von den kleinen kurzen Fingern meines Sohnes, die er, so liebevoll er konnte, in mein Gesicht schlug.Ich wusste noch nicht, dass ich am Ende dieses Tages weinen wuerde, da ein Stueck meiner Kindheit zerstoert werden sollte.Ich wuchs in Schmargendorf auf. Ich sage immer so schoen "In Schmargendorf da kennt man sich". Ein kleiner ruhiger Bezirk mitten in Berlin. Man durchquert Schmargendorf in ca 10 min. Dabei laeuft man an drei Grundschulen, einer Oberschule und gefuehlten 20 Pflegeheimen vorbei. Die Einwohner Schmargendorfs sind eher Ü40. Und, wie ueblich fuer solche Senioren-Bezirke, gab es eine Kleingarten-Kolonie. Kolonie Oeyenhausen. Gepflegte Schrebergaerten, kleine Haeusschen, ein Vereinsheim, nette Gaertner. Nun ja, nicht nur Gaertner, Nachbarn. Ich kannte meine Nachbarn immer. Und deren Nachbarn, dessen Eltern und deren Enkel.. So kannte man sich also auch in Oeyenhausen. Nun ja, vor laengerer Zeit wurde beschlossen, die Kolonie wird platt gemacht. Still und heimlich verkaufte man das kleine gruene Herz von Schmargendorf an ein Baukonzern.Und weil wir noch nicht genuegend davon hier haben, dachte sich dieser Konzern, es waere unbedingt von Noeten, einen sechsstoeckign Baukomplex von Eigentumswohnungen dort hin zu bauen und den Kleingaertnern keine Wahl zu lassen, als ihre Gaerten zu raeumen. Es wurde gekaempft. Es wurden Unterschriften gesammelt, Geld angeboten, alles Menschen moegliche versucht, unsere Kolonie zu retten.Doch all das, brachte rein gar nichts..Also nutzte ich die Chance heute, noch einmal durch die Kolonie zu spazieren, mit meinem Sohn. Der, wie ich dachte, auch dort Fahrrad fahren lernen wuerde, jeden kennen wuerde, Aepfel geschenkt bekommen wuerde, zum Sommerfest gehen wuerde und so vieles mehr, was ich in meiner Kindheit dort getrieben hatte.Pustekuchen. Muell, muell und noch mehr Muell.Die letzten Gaertner entfernten ihre Scheiben, aus den Haeusern, die sie so liebevoll errichtet hatten. In denen sie ganze Sommer verbracht hatten. Von Generation zu Generation weitergegeben und gepflegt hatten. Nahmen mit, was sie brauchten und liessen dort was sie nicht tragen konnte. Es war so weit.Der Raeumungstag stand an.Traenen ueberkamen mich, als ich zu Hause sass, in Gedanken versunken an meine Kindheit, all die freundlichen Menschen, die immer ein Ohr und eine helfende Hand fuer mich und jeden anderen Schmargendorfer hatten. Menschen, die dort ein richtiges Haus hatten und nun obdachlos waren. Sie sitzen morgen frueh auf der Strasse. Mit nichts, ausser ihren Erinnerungen, die sie sich nochmal durch den Kopf gehen liessen, mit dem Hintergedanken, dass all dies, in Grund und Boden gewalzt wird.Der Hof, auf dem ich oefter spielte, auf dem Nachbarn abends zusammen sassen und tranken und lachten. Sich versammelten um anzustossen, in Gedenken an die guten Menschen, die es leider zu frueh traf..All dies, wird es nicht mehr geben.Ich werde es immer in Erinnerung behalten, wie es war.Ich ziehe meinen Hut vor euch Gaertnern und eurer Kraft. Und vorallem eurem Kampfgeist.Ihr koennt erhobenen Hauptes sagen, ihr haettet gekaempft."In Schmargendorf, da kennt man sich" .. demnaechst leider nicht mehr..
1.2.16 00:35


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